Edmond Kaiser: Gründer von Terre des Hommes.

2. Januar 1914 – 4. März 2000.

 

Aufgenommen am 12. Januar 1980 in Lausanne.

http://www.plansfixes.ch/films/edmond-kaiser/

 

> Das kürzeste unter den «Plans Fixes»-Porträts dauert nur gerade 9 Minuten und 36 Sekunden. In diesem Intervall stellt sich der Gründer von Terre des Hommes dem Filmteam, um eine Deklaration zu verlesen. Gerade hat er einen 19-tägigen Hungerstreik abgebrochen. Jetzt will Edmond Kaiser sein Anliegen mit Hilfe der Bevölkerung durchbringen. <


1971 konnte Edmond Kaiser durch einen Hungerstreik erzwingen, dass hungernde Kinder aus Bangladesch ausgeflogen wurden. Neun Jahre später brachte er indes mit diesem Mittel den Schweizer Bundesrat nicht in die Knie. Der erklärte sich für unzuständig, ein generelles Waffenausfuhrverbot auszusprechen. Im Land von Pestalozzi, Wilhelm Tell und Henry Dunant gibt es für jedes Anliegen einen Instanzenweg. Und der lässt sich nicht durch einen Hungerstreik ausser Kraft setzen

Ein klassischer Dramenkonflikt mithin: Zwei Parteien stossen aufeinander. Keine kann nachgeben. Kaiser sagt: «Das wäre Verrat an den notleidenden Menschen.» Der Bundesrat sagt: «Träten wir auf die Forderung ein, hätte die Landespolitik keine Konsistenz mehr, und jeder Hungerstreik könnte fortan die Gültigkeit von Parlaments-, Gerichts- und Volksbeschlüssen aufheben.»

Edmond Kaiser ist es, der umlenkt. Nach seinem Dafürhalten hat der 19-tägige Hungerstreik das Schweizer Volk in einem Mass mobilisiert, dass es sich nur noch um ein paar Monate, höchstens drei Jahre, handeln kann, bis das Land, in das er sich 1960 einbürgern liess, darauf verzichtet, Reichtum zu gewinnen durch die Tötung von Menschen in der Dritten Welt.

Der Abbruch des Streiks am 11. Januar 1980, Mitternacht, hat ein derartiges Medieninteresse hervorgerufen, dass Kaiser zuversichtlich der Zukunft entgegenblickt. Ein Communiqué ist an alle grossen Zeitungen und Presseagenturen gegangen. Und um Kaiser haben sich Mitstreiter versammelt. «Ich sage jetzt nicht mehr ich, ich sage wir», erklärt er im Film. Jetzt, meint er, nehme die Sache ihren Lauf. Mit der Verlesung des Communiqués gebe er ihr bloss noch den letzten Schubs:

 

Botschaft an das Schweizer Volk: Wir müssen keine Gesetze respektieren, die das Leben nicht respektieren, sie sind die Respektlosen. Wenn ausländische Gelder – die Schweiz ist ein armes Land – gebraucht werden, um die Herstellung unserer eigenen Rüstung zu finanzieren, weigern wir uns, sie aus dem Blut und Unglück anderer zu beziehen. Unser Brot wird nicht mehr zum Teil von der Abschlachtung unseres Nächsten abhängen, und unsere verletzte Neutralität wird ihre Transparenz zurückgewinnen. Wir sind freie Menschen. – Tot oder verstümmelt durch unsere Waffen, wo auch immer in der Welt, verlangt jedes einzelne Kind, jede einzelne Frau, jeder einzelne Mann von unserer Wirtschaft Gerechtigkeit für sein Blut. Wir haben kein Recht, ihnen das Leben zu nehmen. Wir Waffengegner werden gewinnen, denn wir sind die Schwächsten, und der Geist, wenn er auch oft in der Schwäche wohnt, lebt nie in der Macht und Brutalität.

 

Diese, hier gekürzte, Deklaration verlas Edmond Kaiser vor der Kamera der «Plans Fixes» am 12. Januar 1980.

 

19 Jahre nach seinem Tod wurde der Bundeskanzlei am 24. Juni 2019 eine eidgenössische Volksinitiative «Gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer (Korrektur-Initiative)» mit 134’000 Unterschriften eingereicht. Das Geschäft ist zur Stunde in den Räten. Man wird sehen, wie das Volk entscheidet, wenn die Vorlage zur Abstimmung kommt.

 

Schon jetzt ist aber klar, was Edmond Kaiser zu ihr sagen würde: «Sie geht nicht weit genug.» Denn der Gründer von Terre des Hommes hasste das Lavieren und lebte nach dem Wort: «Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.» (Matthäus 5,37)

 

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