Emile Gardaz: Poet und Radiomann.

29. August 1931 –19. Dezember 2007.

 

Aufgenommen am 8. Mai 1996 in Lausanne.

Emile Gardaz – Association Plans Fixes

 

> Das Porträt von Emile Gardaz in den „Plans Fixes“ bietet instruktives Material für die Medienausbildung. Ein Ausschnitt von zehn Minuten genügt, um hervortreten zu lassen, wie man es nicht machen darf: Keine Namen bringen, mit denen der Aussenstehende nichts anfangen kann! Sonst schaltet er ab. Der Film aber bringt etwa siebzig Namen in fünfzig Minuten. Damit macht er das Zuschauen zur Tortur. <

 

Emile Gardaz, geboren 1931, ist in Echallens aufgewachsen, einem Dorf überm Genfersee. Da gab es den Metzger, den Garagisten, den Pfarrer, den Lehrer und den Bäcker-Konditor. Wenn man Fleisch brauchte, ging man zum Metzger, und wenn man Erbauung suchte, zum Pfarrer. Fürs Auto ging man zum Garagisten und fürs Brot zum Bäcker-Konditor. So wurden die Kunden im Dorf überm Genfersee mit dem Gewünschten versehen.

 

Emile Gardaz war der Sohn des Bäcker-Konditors. Er lernte, dass ein Handwerker sich durchbringt, wenn er das Bestellte liefert. Und wenn die Qualität stimmt, kommen die Kunden wieder. Diese Einstellung brachte er mit, als er Mitte der 1950er Jahre im Studio Lausanne das Radiohandwerk aufnahm. Von da an lieferte er Reportagen, Sketches, Verse, Hörspiele, Kolumnen, Chansontexte, was immer von ihm verlangt wurde, und seine Produkte kamen an.

 

Mit seiner bescheidenen, einnehmenden Art wurde er bekannt, dann beliebt. Er verstand sich nicht als Primadonna, sondern als Freund. In ihm konnten sich die Hörer mit ihren Sorgen, ihren Freuden und ihrem Alltag wiedererkennen. Und die Kollegen und Künstler, mit denen er zusammenarbeitete, wussten: Er liefert Ware von zuverlässiger Qualität. Man kann sie – man kann ihn – brauchen.

 

Am Radio aber arbeitete Emile Gardaz nicht für die Ewigkeit, sondern für den Tag, und seine Produkte waren, wie die Croissants des Vaters, zum raschen Verzehr bestimmt. Das Handwerk brachte ihn mit vielen Menschen zusammen, und noch viel mehr Menschen kannten ihn, wenn sie Radio Sottens auf Mittelwelle einschalteten. Die Namen der Weggefährten und die Namen der Sendungen, die mit Emile Gardaz verbunden waren, kommen im Porträt zur Erwähnung, das die „Plans Fixes“ 1996 zum 65. Geburtstag (und damit zur Pensionierung) des Radiomanns aufnahmen.

 

Unterdessen ist ein Vierteljahrhundert vergangen, und der Betrachter des Films kommt zur gleichen Erkenntnis wie der Erzähler der „Recherche du temps perdu“, der nach dreissig Jahren wieder die Gesellschaft der Guermantes aufsucht: „Ein Name, das ist oft alles, was für uns von einem Wesen zurückbleibt, nicht einmal, wenn es tot ist, sondern schon zu seinen Lebzeiten.“ Hans Ulrich Probst, Peter Burri, Angelika Schett und Arthur Godel (vor dreissig Jahren bekannte Namen bei Radio DRS-2 [ein Name, der auch vergangen ist]) können es bezeugen.

 

„Etre vieux“ heisst ein Konvolut im Nachlass des Romanciers Roland Donzé im schweizerischen Literaturarchiv. Da findet sich, den „Kreativen“ zur Warnung, der Satz: „Sobald man einen Schatten wirft, glaubt man, etwas anderes zu sein als ein Schatten.“

 

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