François Choffat: Arzt, Homöopath.

28. April 1941 –

 

Aufgenommen am 6. September 1994 in Grandcour.

François Choffat – Association Plans Fixes

 

> Mit 18 Jahren ist François Choffat als Rucksacktourist per Anhalter nach Marokko gekommen. Das Land wurde zu seiner zweiten Heimat. Immer wieder ist er dorthin zurückgekehrt; hat als Arzt praktiziert; eine Dissertation über die Methoden der Naturheiler verfasst; und durch den Vergleich der Systeme seinen eigenen Weg gefunden. <

 

Arzt heisst derjenige, welcher die zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit, sowie zur Abhaltung, Erkenntnis und Heilung von Krankheiten erforderlichen Kenntnisse besitzt. Derjenige muss nicht nur in der Heilkunde, d.h. den sämtlichen, zur Medizin gehörigen Haupt- und Hülfswissenschaften, sondern auch in der Heilkunst, worunter man die Anwendung dieses gesamten Wissens am Krankenbette versteht, bewandert sein. Derjenige nun, der sich dem ärztlichen Berufe widmen will, muss vor allen Dingen innern Drang dazu in sich fühlen; denn lässt er sich nur durch den Wunsch seiner Angehörigen oder sonstige Verhältnisse oder gar durch die Hoffnung auf leichten und reichlichen Erwerb dazu bestimmen, so würde er sich sehr täuschen, da der Beruf des Arztes grosse Selbstaufopferung verlangt und nur ausnahmsweise ein angenehmes und sorgenfreies Leben gewährt. Wer da hoffen will, als Arzt seinen Platz ganz auszufüllen, muss Genie haben, d.h. ausgezeichneten Verstand im Verein mit einer tätigen Einbildungskraft, zum Selbstdenken befähigt sein, Beobachtungsgabe, Geistesgegenwart und hauptsächlich angeborene Anlage zum Arzte besitzen, ohne die er nie, selbst bei der höchsten wissenschaftlichen Ausbildung, den sogenannten praktischen Blick erlangen wird, der in vielen Krankheitsfällen von so grosser Wichtigkeit ist. Er muss sich eines guten Gedächtnisses erfreuen, dabei unermüdlich fleissig und tätig, körperlich gesund und wohlgebildet sein, ersteres, um die Strapazen seines Berufes ertragen zu können, letzteres, um keinen übeln Eindruck zu machen; ferner religiös, teilnehmend, nachsichtig und geduldig, mässig und enthaltsam, uneigennützig und verschwiegen sein, um das Vertrauen der Kranken zu gewinnen, das ihm zur glücklichen Behandlung derselben wesentlich notwendig ist. Hat er alle diese Eigenschaften, so wird er auch nie Ursache haben, mit der Wahl seines Berufs unzufrieden zu sein, denn das Studium der Heilkunde selbst ist zu reichhaltig und anziehend und die Aufgabe, der leidenden Menschheit Hülfe zu bringen, zu schön und zu lohnend, als dass er dadurch nicht für manche schmerzliche Erfahrung und ein beschwerdevolles Leben Entschädigung finden sollte. Der Wirkungskreis eines wissenschaftlich gebildeten, gewissenhaften und bei der Heilkunst glücklichen Arztes ist einer der wichtigsten im Staate und es sollten deshalb die Regierungen mit Ernst darüber wachen, dass nicht Untüchtige, des ärztlichen Berufes in keiner Hinsicht Gewachsene die Heilkunst üben und durch Unkunde der Menschheit unendlichen Nachteil bringen.

 

So lautet der vollständige Eintrag zum Stichwort „Arzt“ im Brockhaus von 1837 ff.

 

169 Jahre später beginnt der Brockhaus von 2006 den Artikel mit ähnlichen Worten wie sein Vorgänger, fügt dann aber bei:

 

Das Berufsbild des Arztes hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Es ist gekennzeichnet durch eine immer stärker werdende Spezialisierung und Technisierung innerhalb der Medizin. Zum einen wachsen hierdurch die Möglichkeiten, den Patienten zu helfen, andererseits wird die fachübergreifende Zusammenarbeit der Ärzte immer wichtiger. Der grösste Teil der Ärzte ist heute nicht mehr in eigener Praxis, sondern in Institutionen (Krankenhäuser, öffentlicher Gesundheitsdienst, Verwaltungen, pharmazeutische Industrie und Betriebe) tätig. Gesetzgebung und Verwaltung greifen immer stärker in ärztliches Handeln ein.

 

Zwischen den Daten 1837 und 2006 befindet sich der Arzt und Homöopath François Choffat, den die „Plans Fixes“ 1994 besucht haben. Zu einzelnen Punkten fügt er Eigenes bei. Es macht seine Ausführungen bedeutsam.

 

Das Eigene hat er nicht gesucht. Es ist ihm aufgegangen. Darum hat es die Überzeugungskraft der Evidenz. – Der Unterschied zwischen der afrikanischen Heilpraxis und der westlichen Schulmedizin brachte François Choffat zur Erkenntnis, dass jede Art von Krankenbehandlung durch die Tradition bedingt ist. Werte und Methoden eines Kulturkreises bestimmen das therapeutische Vorgehen. Bei uns sind es die Werte des Materialismus. Für ihn gilt nur das mit naturwissenschaftlichen Methoden Erfassbare als wirklich. Kritisch sagt dazu das „Lexikon der Philosophie“, begründet von Heinrich Schmidt:

 

Der Materialismus stellt ein Gegengewicht gegen die Verirrungen des Idealismus dar, aber er versagt in seiner Einseitigkeit vollkommen vor allen entscheidenden, d.h. vor den menschlichen Problemen (Bewusstsein, Dasein, Zweck und Sinn des Lebens, Freiheitsrechte usw.), die er als Scheinprobleme abzutun genötigt ist. Seine Grundlagen sind eine Reihe von Dogmen und eine primitive, von der Entwicklung des abendländischen Denkens längst überholte Ontologie. Der Materialismus ist die von den Massen bevorzugte Denkweise, weil diese ihnen anschaulich plausibel erscheint und mit deren Streben nach materiellem Glück zusammenhängt.

 

Dem materialistischen Blick erscheint der Mensch als Maschine. Und Zweck der Medizin ist es, sie so lange als möglich in Betrieb zu halten, notfalls durch Auswechslung von Einzelteilen. So werden denn Titangebilde, Chips und Batterien in die „Körper von Kadavern“ (François Choffat) eingepflanzt, weil es darum geht, den Tod so lang als möglich hinauszuschieben. Für François Choffat ist das ein Irrweg. Schon nur, weil jede Behandlung am Ende gleichwohl dem Tod entgegenläuft. Deshalb bedeutet der Tod des Patienten auch eine dauernde Kränkung des Arztes und seiner Heilkunst.

 

Aufgrund dieser Tatsache definiert François Choffat die Aufgabe des Arztes um: Es geht nicht darum, den Patienten ein möglichst langes, sondern ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen.

 

Gutes Leben bedeutet sinnvolles Leben.

 

Das sinnvolle Leben schenkt Bereicherung (seelisch-kulturelle, nicht materielle) für sich und die andern.

 

Am Ende führt das gute Leben zu einem guten Tod, das heisst zum stimmigen Übergang in die nächste Existenzform.

 

Mit seiner Kunst, so sieht es François Choffat, kann der Arzt dem Patienten zu einem guten Sterben (griechisch: Euthanasie) verhelfen, genau so, wie er ihm im Leben zu einem guten Dasein verhalf.

 

Dasein bedeutet Vorhandensein. Nun aber gibt es kein Vorhandensein ohne Sosein. Das Dasein eines Zweiges an einem Ast ist ein Sosein des Asts, erklärt das „Lexikon der Philosophie“, und es kommt zum Schluss: „Immer ist das Dasein des einen zugleich das Sosein des anderen.“ Das Dasein von Covid bestimmt das Sosein der Gesellschaft. Das Dasein eines Tumors bestimmt das Sosein des Patienten.

 

In dieser Abhängigkeit sieht François Choffat jeden einzelnen. Der Arzt muss die Verbindungen verstehen, wenn er helfen will.

 

An dieser Stelle knurrt der Materialist: „Was das wieder kostet!“, bis er sich selber vom Übel bedroht sieht. Dann fragt er mit klammer Stimme: „Herr Doktor, was kann man machen?“

 

François Choffat wird antworten: „Ich werde mich einsetzen, Ihnen die Freiheit zurückzugeben; die Freiheit von der Angst; die Freiheit vom Schmerz, damit Sie die Chancen wahrnehmen können, die Ihnen das Leben immer noch schenkt. Schauen wir doch einmal zusammen hin!“

 

Dazu der Brockhaus von 1837 ff.:

 

Häufig wird unter Medizin nur die Kunst zu heilen verstanden, was aber irrige Vorstellungen veranlasst, indem diese Begriffsbestimmung viel zu beschränkt ist.

 

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