Franz Weber: Verteidiger von Natur und Kulturerbe.

27. Juli 1927 – 2. April 2019.

 

Aufgenommen am 6. Januar 2011 in Clarens.

Franz Weber – Association Plans Fixes

 

> Ohne Franz Weber wäre die Oberengadiner Seenlandschaft der Bauspekulation zum Opfer gefallen. Ohne Franz Weber hätten in der Lavaux Immobilien die Rebstöcke verdrängt. Ohne Franz Weber wäre das Hotel Giessbach am Brienzersee abrasiert worden. Ohne Franz Weber hätte das antike Delphi der Bauxit-Ausbeutung Platz machen müssen. Ohne Franz Weber würden heute in Kanada noch die Robbenbabys masslos hingeschlachtet, in Australien die wilden Pferde und in Togo die Elefanten. <

 

150 Kampagnen hat Franz Weber im Lauf seines Lebens geführt; die meisten von ihnen erfolgreich. Zum Dank für die Rettung von Orten und Tierarten wurde er mehrfach ausgezeichnet; etwa mit dem Ehrenbürgerrecht von Delphi, dem deutschen Naturschutzpreis und dem Europapreis für Landespflege. Doch sucht man seinen Namen vergebens im Brockhaus. Und die Universitäten aller Kontinente haben es versäumt, ihn im Lauf seines fast 92 Jahre währenden Lebens mit irgendeinem Dr. h. c. auszuzeichnen. Warum? Er war halt nur Aktivist.

 

Franz Webers Art von Populismus, der die Menschen für einen guten Zweck in Bewegung setzt, war den Herren Professoren mit ihren edlen Untersuchungen zum hölderlinschen Aber stets verdächtig. Goethe fasste den Sachverhalt gelassen im Satz zusammen: „Nachdenken und Handeln verglich einer mit Rahel und Lea: die eine war anmutiger, die andere fruchtbarer.“

 

Für die „Plans Fixes“ erklärt nun der 83-jährige Franz Weber in schlichten Worten (denn Französisch ist seine Muttersprache nicht), was ihn antrieb: Es war das Mitleid mit der Unschuld – der Unschuld eines Orts, der Unschuld einer Tierart. Es wurde ausgelöst durch den Impuls: „He, das geht doch nicht! Warum macht da keiner was dagegen?“ Und die Antwort war zu allen Zeiten die gleiche: Alle glaubten, Wichtigeres zu tun zu haben, als sich durch etwas Ungereimtes am Rande des Blickfelds aus ihrer Bahn zu begeben.

 

Einzelne streiften nach der Pensionierung – das heisst mit dem Gewinn der Unabhängigkeit – die Rücksichtnahme ab und wagten, Tacheles zu reden. Etwa der emeritierte Medizinprofessor Hans Koblet. In seinen „Gedanken im Moosgarten“ schreibt er:

 

Prof. S. ist an Wissenschaft kaum interessiert, und wie sein klägliches Abschneiden als Dekan bewiesen hat, ist er auch kein Administrator oder Organisator. Was man von ihm hätte lernen können, war der Aufbau potemkinscher Dörfer, mit denen er das Publikum einseift. Ich nehme kein Blatt vors Maul und male die Tatbestände, wie ich sie nach 15 Jahren sehe; ich bin nicht bald 80, um zum Feigling zu degenerieren. Die beschränkte, diplomatische Zurückhaltung, die im späteren Leben aus Schaden erwachsen ist, brauche ich nicht mehr; und alles, was datiert ist, ist auch dokumentiert. Hütet euch vor alten Männern; sie haben nichts zu verlieren!

 

Ähnlich der Stadtwanderer Benedikt Loderer in seinem Pamphlet „Die Landesverteidigung. Eine Beschreibung des Schweizerzustands“. Mit 67 schrieb er:

 

Nicht altersmilde bin ich, sondern voller Alterswut. Sie ist die gesündeste, da sie auf Erfahrung gründet. Die Schweiz ist ordentlich, aber nicht in Ordnung. Mein Stichwort heisst Zersiedelung. Politische Korrektheit liegt mir fern. Sollten sich geneigte Leserrinnen nicht genügend mitgemeint fühlen, wohlan! Sind überzeugte Föderalisten beleidigt, henusode! Falls die Fédération des Profiteurs um ihr Geschäft fürchtet, was kümmert’s mich? Allen, die ans Glück im Winkel glauben, rufe ich zu: Zieht euch warm an und kauft ein Kanonenöfeli! Es wird trotz Klimaerwärmung kälter in der Eidgenossenschaft. Trost spende ich keinen. Es ist, wie es ist.

 

Es hat also etwas für sich, wenn Franz Weber sagt: „Ich habe nichts Besonderes getan. Jeder andere hätte es auch tun können.“ Speziell bei ihm ist lediglich, dass die Indignation zur Tat führte und dass die Tat am Ende Tatsachen schuf. Seit 2012 ist es zum Beispiel in der Schweiz „Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!“

 

Zugut kam Franz Weber ein einnehmendes Wesen. Es half ihm, Verbündete zu gewinnen. Auch, weil er es verstand, jedes „Gegen“ in ein „Für“ zu verwandeln: Für das natürliche Ufer des Silvaplanersees! Für eine intakte Reblandschaft am oberen Genfersee (seither Weltkulturerbe)! Giessbach für das Schweizer Volk!

 

Franz Weber brauchte nur zu zeigen, was wir im Begriff waren, unwiderruflich zu verspielen, um einen Ruck durch Bevölkerung und Politik zu jagen. Und als er merkte, dass er sich einen Namen geschaffen hatte, setzte er diesen als Markenzeichen ein. Denn die Leute sind so geartet, dass sie zu marschieren beginnen, wenn vorn auf der Fahne „Young Boys“ steht. Warum also, fragt er sich, nicht „Franz Weber“?

 

Anfang 2021 haben die saisonalen Tropenstürme in der Karibik mit beispielloser Wucht gewütet und die Region entsprechend verwüstet. So gesehen, stellt diese klimabedingte Naturtragödie eine Chance für die von der Fondation Franz Weber initiierte Kampagne „Gran Seaflower“ dar – für den Schutz des Ökosystems und der Biodiversität.

 

Mit der „Fondation Franz Weber“ bekamen die Menschen, die Schlimmes verhindern oder Gutes tun wollten, sich aber als einzelne zu schwach fühlten, eine Adresse über den Tod des Gründers hinaus:

 

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FONDATION FRANZ WEBER

Postscheckkonto-Nr: 18-6117-3

3000 Bern 13, Schweiz

IBAN: CH31 0900 0000 1800 6117 3

 

Nachdenken und Handeln. Rahel und Lea. Die eine war anmutiger. Die andere fruchtbarer.

 

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