Christiane Jaccottet: Cembalistin.

18. Mai 1937 – 26. Oktober 1999.

 

Aufgenommen am 12. Dezember 1997 in Chexbres.

Christiane Jaccottet – Association Plans Fixes

 

> Am Anfang der Filmaufnahme spielt die Cembalistin auf einem Instrument von 1759 (Haendels Todesjahr) ein paar Takte aus dem „Wohltemperierten Klavier“ von Johann Sebastian Bach. „Wir sind hier bei Ihnen, Christiane Jaccottet, in Ihrer wundervollen Sammlung historischer Tasteninstrumente“, beginnt François Hudry, der Gesprächs­leiter. „Wie viele besitzen Sie? Ein Dutzend?“ Christiane Jaccottet lacht auf: „Sie sprechen von der Zukunft! So viele sind es noch nicht!“ Doch Christiane Jaccottet wird es nicht aufs Dutzend bringen. Zwei Jahre nach der Aufnahme ist sie tot. <

 

Christiane Jaccottet ist in einem Musikerhaushalt aufgewachsen. Vater und Mutter waren Streicher im Orchestre de Chambre de Lausanne. Wenn sie nicht probten oder auftraten, unterrichteten sie zuhause ihre Schüler. So wurde das Kind von Anfang an in Tönen gebadet. Mit neun Jahren war ihm klar, dass es ausübende Musikerin werden wolle. Es wählte das Klavier.

 

Mit siebzehn machte Christiane Jaccottet am Konservatorium von La Chaux-de-Fonds das Klavierdiplom. Mit neunzehn schloss sie an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien das weiterführende Studium „mit vorzüglichem Erfolg“ ab.

 

Es war die Zeit, in der die Pflege der alten Musik einsetzte und die Pioniere der historisierenden Aufführungspraxis zu wirken begannen. Christiane Jaccottet nennt Josef Mertin und Gustav Leonhardt (zwei ihrer Lehrer) sowie Nikolaus Harnoncourt und René Clemencic (zwei von Mertins Schülern). Sie selber wandte sich definitiv dem Cembalo zu, ermuntert von ihrer Lehrerin Elise Faller.

 

Zurück in der Schweiz, fing Christiane Jaccottet an, mit den Grössten zu spielen. Gemeinsam mit > Michel Corboz und > Hugues Cunéod befeuerte sie die Monteverdi-Renaissance. Daneben betätigte sie sich jahrelang im Trio mit Aurèle Nicolet und Heinz Holliger. Als Solistin spielte sie sämtliche Cembalowerke von Johann Sebastian Bach ein. Sie gab 800 Konzerte und realisierte 120 Schallplatten und CDs.

 

Bei Erwähnung all dieser Fakten und Namen kommt der Musikliebhaber ins Träumen. Es geht ihm wie Friedrich Torberg mit dem Fussball. Aus dem amerikanischen Exil schrieb er am 26. September 1942 dem österreichischen Sportjournalisten Dr. Paul Schneeberger:

 

Der Centerhalf des FTC zur Pataky-Zeit hat nicht Korrodi geheissen, sondern Brody … Dietrich debütierte bei Rapid im Jahre 1913 bei dem Match Rapid – FTC in Pest, 2:0 für Rapid … Für MTK – FTC war das Resultat 1919 5:0. Slavia gegen Rapid auf der alten Hohen Warte 1:5.

 

Und Christiane Jaccottet? Die deutschsprachige Wikipedia vermerkt:

 

Viele ihrer Aufnahmen waren bei Billiglabels untergebracht und fanden dadurch weite Verbreitung. Gerade bei jungen Musikliebhabern waren diese günstig erhältlichen Aufnahmen prägend für den Musikgeschmack bzw. die Vorstellung von Interpretations­möglichkeiten.

 

Wer ihnen begegnet ist, behält sie in ehrender Erinnerung wie einen Schatz:

 

Wir wollen ihn hegen und pflegen, denn er besitzt die eindeutige, unverwechselbare Patina einer Generation, die uns hoffnungslos und unersetzlich wegstirbt, und er ist in seiner Art ein ebenso garantiert Letzter, wie es jeder einzelne dieser vor ihm Weggestorbenen war, der Beer-Hofmann, der alte Korngold, der Roda Roda. Lauter Ein- und Letztmaligkeiten. (Friedrich Torberg über Alfred Polgar.)

 

2002 schrieb Heinz Holliger für Tabea Zimmermann „Recicanto für Viola und kleines Orchester. A la mémoire de Christiane Jaccottet.“

 

Lauter Ein- und Letztmaligkeiten.

 

 

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