Eugène-Pierre Dénéréaz: Oberstdivionär.

27. Mai 1910 – 3. März 2002.

 

Aufgenommen am 20. Juli 1990 in Lausanne.

Eugène-Pierre Dénéréaz – Association Films Plans-Fixes (plansfixes.ch)

 

> Die Offiziersvereinigung „Semper Fidelis“ fand es angemessen, dem Gründer dieser gemeinnützigen Organisation und dem geschätzten Befehlshaber, Kameraden und Freund Oberstdivisionär Eugène-Pierre Dénéréaz durch die Aufnahme in die „Plans Fixes“ zum 80. Geburtstag ein Denkmal zu setzen, und dafür warf sie die erforderlichen Mittel ein. „Auf das Vorhaben reagierten Sie mit dem verhaltenen Enthusiasmus, der Sie charakterisiert“, erklärt der Befrager Paul Vallotton, der in der SRG eine eminente Rolle spielte und 1967 mit dem internationalen Journalistenpreis ausgezeichnet worden war. „Alors, mon divisionnaire, prêt?“ „Prêt.“ <

 

Der Anfang des Films führt in die Geschichte zurück. 1311 werden die Dénéréaz am Genfersee erstmals urkundlich erwähnt. Der frühere Oberst­divisionär ist stolz, mit dem alten Weinbauerngeschlecht und dem Boden, den es bestellte, verbunden zu sein. Sein Vater allerdings kam aus Paris. Dort hatte er bis zum Aufstand der Kommune 1870/71 als Kammer­diener gearbeitet. Nun übernahm er im Alter von zwanzig Jahren einen Kramladen in Chexbres, einer Winzergemeinde der Lavaux mit tausend Einwohnern, und heiratete Hélène Pilet. Das Paar bekam zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn.

 

Der Sohn besuchte die Primar- und Sekundarschule. Dann fand der Vater, er müsse sich in der Deutschschweiz weiterbilden. (Das famose Deutschschweizerjahr absolvierten auch der Winzerssohn und spätere Regierungsstatthalter > Albert Munier und der Bauernsohn und spätere Dichter > Hughes Richard.) In einem Bündner Internat, der Evangelischen Lehranstalt Schiers (ELA), machte Eugène-Pierre das Gymnasium, und am Ende meldete er sich zur eidgenössischen Maturitätsprüfung an.

 

Man muss schon genau hinhören, um zu merken, dass der frühere Oberstdivisionär das Wort „eidgenössische Matur“ mit verhaltenem Stolz ausspricht. Schiers war nämlich zu seiner Zeit nicht als Maturitätsschule anerkannt. Aus diesem Grund zählten die Noten der ELA nicht als Erfahrungs­noten. Fürs Diplom kamen ausschliesslich die Leistungen in Betracht, die an der eidgenössischen Maturitäts­prüfung erzielt worden waren, und da wurde das Wissen in einem Rutsch abgefragt, schriftlich und mündlich, über elf Fächer hinweg, und zwar selbstredend nicht am Schulort, sondern zentral. Für die Westschweiz war das Lausanne. Man sieht: Es musste jemand schon gut drauf sein, um die eidgenössische Matur zu bestehen.

 

Nun folgte die Aushebung zur Rekrutenschule. Der Vater, Feldweibel bei der Artillerie­, wünschte, dass der Sohn Offizier werde. Das bedeutete zwei Jahre Militärdienst. Während der Korporalsausbildung kam Eugène-Pierre auf den Gedanken, die Berufsoffizierslaufbahn anzupeilen und ins Instruktionskorps überzutreten. Zu dem Zweck meldete er sich in Bern bei der Infanterie und wies sein eidgenössisches Maturitätszeugnis vor. Doch Oberst Ulrich Wille, Sohn des Generals im Ersten Weltkrieg, war vom Dokument nicht beeindruckt. Er reagierte mit dem Satz: „Kommen Sie wieder, wenn Sie einen Universitätsabschluss haben.“

 

An dieser Stelle zeigt sich, aus welchem Holz Eugène-Pierre Dénéréaz geschnitzt war. Nicht nur erwarb er ein Lizenziat in Wirtschaftswissen­schaften an der Universität Freiburg i. Ü., er gründete auch mit 22 Jahren eine Familie mit Mariette, Tochter des Uhrmachers Otto Schoepf, und führte in Chexbres den Dorfladen weiter, wenn er nicht in Uniform war, was häufig vorkam, denn die Armee erwartete, dass sich ein Aspirant für das Instruktions­korps durch eine Vielzahl freiwilliger Diensttage zu empfehlen wisse. Eugène-Pierre Dénéréaz aber lernte in dieser Lage das Multitasking avant la lettre.

 

Mit 32 Jahren (zwei Jahre nach dem Universitätsabschluss, den er in 14 berufsbegleitenden Semestern erworben hatte) wurde Eugène-Pierre Dénéréaz 1942 Instruktionsoffizier der Leichten Truppen. 1961 erfolgte die Beförderung zum Sektionschef im Generalstab. In dieser Funktion arbeitete er an der Heeresorganisation 1961 mit. Dann leitete er 1962–71 als Komman­dant die Mechanisierte Division 1. Die Frau an seiner Seite zog von Dienstort zu Dienstort mit, kümmerte sich um die drei Kinder und um das Wohl des Gatten.

 

Mit 61 hatte Eugène-Pierre Dénéréaz wohl das Gefühl erfüllter Pflicht, empfand es aber trotzdem als schwer, ja ausgesprochen mühevoll, sich von der „Familie“, wie er seine Division bezeichnet, lösen zu müssen. Der Übergang kam nämlich unvermittelt: „Ich war nicht auf den Rücktritt vorbereitet. Da erhielt ich den Befehl, an dem und dem Tag um die und die Zeit den Wagen und die Schlüssel abzugeben. Von dem Moment an hatte ich nichts, aber rein gar nichts mehr mit meinen Freunden und Untergebenen zu tun. Nach ein paar Stunden der Überlegung kam ich zum Entschluss, meine zivilen Fähigkeiten im Geschäftsleben zu testen, und wandte mich an verschiedene Körperschaften. In der Folge wurde ich bei ihnen Präsident oder Verwalter. – Und die Bautätigkeit? Sie wissen, dass ich eine mongoloide Tochter habe. So kam es, dass ich dem Ruf folgte, den Umbau des Pflegeheims Esperence in Etoy zu leiten. Daneben war es mir wichtig, die Zeit für Wohltätigkeit und Nachdenken zu verwenden.“

 

Epilog

 

Gedanken und verschiedene Fragmente von Karl Neuhaus, weiland Schultheiss der Republik Bern, nach dem eigenhändigen Manuskript herausgegeben vom Sohn des Autors, Biel, K. F. Steinheil, Buchhändler und Verleger, 1863:

 

„Man würde das Verdienst und die Talente sehr schlecht nach dem Erfolg beurteilen, wenn man nicht gleichzeitig den Erfolg nach den Hindernissen beurteilen würde.“ Sully.

 

Nicht zu vergessen das Unerwartete, das in den Dingen dieser Welt eine grosse Rolle spielt.

 

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